Korean New Wave - Das neue Koreanische Kino Pt. 1
PARK CHAN-WOOK
Park Chan-wook ist weltweit einer der talentiertesten Regisseure. Weltruhm erlangte er mit seinem knallharten Rachedrama „Oldboy“, einem der erfolgreichsten koreanischen Filme aller Zeiten. Er wird, schon allein wegen der expliziten Darstellung von Gewalt, die in seinen Filmen zu finden ist, gerne mit Quentin Tarantino verglichen. Dabei wird übersehen, dass sich Park Chan-wooks Filme zwar tatsächlich durch (teilweise) überzogene Gewalt auszeichenen – nur verwendet er sie nicht um ihrer selbst willen. Diese Gewalt ist voller sozialer Bezüge. Die innere Zerissenheit seiner Charaktere spiegelt die Zerissenheit seiner Heimat wieder. Ein Land, das schwankt, zwischen wirtschaftlichem Aufbruch und Modernisierung einerseits und der Landwirtschaft, durch das es noch immer geprägt wird, andererseits. Ein Land, das geteilt ist in Nord und Süd. Hier wirkt der Kalte Krieg noch präsent, der Bruderkrieg der 50er Jahre lastet auf ihm. Und natürlich ist da die US-amerikanische Besatzung, die noch immer allgegenwärtig scheint.
Doch Park Chan-wook verarbeitet in seinen Filmen nicht nur gesellschaftliche Zustände, sondern versieht sie mit einer Virtuosität, einem küntlerischen, ja fast poetischen Ausdruck, der starke Bezüge zum Ausland und Anspielungen auf die Kinogeschichte erkennen lässt. Schon während seiner Collegezeit verfasste er kritsche Schriften über zeitgenössisches Kino. Sein Studium selbst mag dabei manche überraschen. Er studierte deutsche Philosophie. Allerdings verwundert dies nur auf den ersten Blick. Wenn man sich sein Werk genau betrachtet, lassen sich klare Verweise darauf erkennen – vor allem auf seinen Lieblingsphilosophen, Friedrich Nietzsche.
Park Chan-wooks Werk ist durchzogen von einer seltsamen Moral, die er ständig hinterfragt. Das Thema „Rache“ nimmt dabei eine besondere Stellung ein – doch geht es dabei weniger um Rachegeschichten im herkömmlichen Sinne des Wortes. Im Mittelpunkt seiner Filme stehen Menschen, die ihrer Umwelt, ihrer Umgebung ausgesetzt sind, gleichsam daraus herausgerissen werden. Isolation, Einsamkeit, Verlorenheit – das sind die Hauptthemen, die Chan-wooks Filme behandeln. Wie diese Faktoren auf einen Menschen wirken, wie sie zum Kontrollverlust führen. Dabei ist am Ende oftmals alles ganz anders, als man dachte.
Park Chan-wook ist ein Regisseur, der eine große Karriere vor sich hat. Er ist auf einer Ebene anzusiedeln wie ein David Fincher, ist dabei jedoch tiefgründiger, poetischer, schlichtweg besser. Ein großer Regisseur, der auch in diesem Jahr wieder einen großen Film auf den Markt bringt. „Lady Vengeance“, heißt er und schließt seine Rachetrilogie („Sympathy for Mr. Vengeance“, „Oldboy“) ab.
Vergesst Tarantino. „Kill Bill“ ist tot. Es lebe „Lady Vengeance“.
Wichtige Filme:
- Joint Security Area (JSA): (Drama: an der Grenze zwischen Nord- und Südkorea kommt es zu einem blutigen Zwischenfall. Ein nordkoreanischer Soldat wird getötet, ein südkoreanischer verletzt. Um die brisante Situation zu beruhigen, schalten beide Regierungen eine koreanisch-schweizerische Ermittlerin ein. Doch unterschiedliche Zeugenaussagen machen ihr das Leben schwer. Schließlich stößt sie auf ein Geheimnis, durch das nur noch mehr Fragen aufgeworfen werden... Der erste Film, mit dem Park Chan-wook auf sich aufmerksam machte. Mehr als nur ein Achtungserfolg. Ein bedeutender Film über das Verhältnis zwischen Nord- und Südkorea. Ein politisches Statement. Spannend und bedeutend. Ein perfekter Film. )
- Sympathy for Mr. Vengeance: (Rachedrama: Der Taubstumme Ryu versucht verzweifelt eine Niere für seine schwerkranke Schwester zu finden. Er gerät an eine Organschmuggelbande – doch die wollen 10 Mio. Won und eine von seinen Nieren als Gegenleistung. Um das Geld aufzutreiben, entführt er die Tochter seines ehemaligen Chefs. Als der Vater des entführten Mädchens die Sache in seine Hand nimmt, kommt es zur Eskalation... Ein Filmstoff an den sich in Südkorea lange keiner traute. Außer Park Chan-wook. Der Auftakt seiner großen „Rachetrilogie“. Ein Muss für jeden Freund des asiatischen Kinos.)
- Oldboy: (Rachedrama: Oh Dae-Su, ein etwas rüpelhafter Frauenheld, wird eines Tages auf offener Straße entführt. Ohne Begründung wird er 15 Jahre festgehalten. Bis er eines Tages ebenso ohne Begründung freigelassen wird. Mit einem Handy und Geld versehen. In der Zwischenzeit wurde seine Frau umgebracht. Verzweifelt und scheinbar ziellos macht er sich auf die Suche nach seiner Tochter und seinen Entführern – doch die haben ihn jederzeit im Blick... Ein Film wie ein Paukenschlag. Erschreckend, verstörend, brilliant. Sein endgültiger Durchbruch.)
cms - Mittwoch, den 10. Januar 2007
Park Chan-wook ist weltweit einer der talentiertesten Regisseure. Weltruhm erlangte er mit seinem knallharten Rachedrama „Oldboy“, einem der erfolgreichsten koreanischen Filme aller Zeiten. Er wird, schon allein wegen der expliziten Darstellung von Gewalt, die in seinen Filmen zu finden ist, gerne mit Quentin Tarantino verglichen. Dabei wird übersehen, dass sich Park Chan-wooks Filme zwar tatsächlich durch (teilweise) überzogene Gewalt auszeichenen – nur verwendet er sie nicht um ihrer selbst willen. Diese Gewalt ist voller sozialer Bezüge. Die innere Zerissenheit seiner Charaktere spiegelt die Zerissenheit seiner Heimat wieder. Ein Land, das schwankt, zwischen wirtschaftlichem Aufbruch und Modernisierung einerseits und der Landwirtschaft, durch das es noch immer geprägt wird, andererseits. Ein Land, das geteilt ist in Nord und Süd. Hier wirkt der Kalte Krieg noch präsent, der Bruderkrieg der 50er Jahre lastet auf ihm. Und natürlich ist da die US-amerikanische Besatzung, die noch immer allgegenwärtig scheint.
Doch Park Chan-wook verarbeitet in seinen Filmen nicht nur gesellschaftliche Zustände, sondern versieht sie mit einer Virtuosität, einem küntlerischen, ja fast poetischen Ausdruck, der starke Bezüge zum Ausland und Anspielungen auf die Kinogeschichte erkennen lässt. Schon während seiner Collegezeit verfasste er kritsche Schriften über zeitgenössisches Kino. Sein Studium selbst mag dabei manche überraschen. Er studierte deutsche Philosophie. Allerdings verwundert dies nur auf den ersten Blick. Wenn man sich sein Werk genau betrachtet, lassen sich klare Verweise darauf erkennen – vor allem auf seinen Lieblingsphilosophen, Friedrich Nietzsche.
Park Chan-wooks Werk ist durchzogen von einer seltsamen Moral, die er ständig hinterfragt. Das Thema „Rache“ nimmt dabei eine besondere Stellung ein – doch geht es dabei weniger um Rachegeschichten im herkömmlichen Sinne des Wortes. Im Mittelpunkt seiner Filme stehen Menschen, die ihrer Umwelt, ihrer Umgebung ausgesetzt sind, gleichsam daraus herausgerissen werden. Isolation, Einsamkeit, Verlorenheit – das sind die Hauptthemen, die Chan-wooks Filme behandeln. Wie diese Faktoren auf einen Menschen wirken, wie sie zum Kontrollverlust führen. Dabei ist am Ende oftmals alles ganz anders, als man dachte.
Park Chan-wook ist ein Regisseur, der eine große Karriere vor sich hat. Er ist auf einer Ebene anzusiedeln wie ein David Fincher, ist dabei jedoch tiefgründiger, poetischer, schlichtweg besser. Ein großer Regisseur, der auch in diesem Jahr wieder einen großen Film auf den Markt bringt. „Lady Vengeance“, heißt er und schließt seine Rachetrilogie („Sympathy for Mr. Vengeance“, „Oldboy“) ab.
Vergesst Tarantino. „Kill Bill“ ist tot. Es lebe „Lady Vengeance“.
Wichtige Filme:
- Joint Security Area (JSA): (Drama: an der Grenze zwischen Nord- und Südkorea kommt es zu einem blutigen Zwischenfall. Ein nordkoreanischer Soldat wird getötet, ein südkoreanischer verletzt. Um die brisante Situation zu beruhigen, schalten beide Regierungen eine koreanisch-schweizerische Ermittlerin ein. Doch unterschiedliche Zeugenaussagen machen ihr das Leben schwer. Schließlich stößt sie auf ein Geheimnis, durch das nur noch mehr Fragen aufgeworfen werden... Der erste Film, mit dem Park Chan-wook auf sich aufmerksam machte. Mehr als nur ein Achtungserfolg. Ein bedeutender Film über das Verhältnis zwischen Nord- und Südkorea. Ein politisches Statement. Spannend und bedeutend. Ein perfekter Film. )
- Sympathy for Mr. Vengeance: (Rachedrama: Der Taubstumme Ryu versucht verzweifelt eine Niere für seine schwerkranke Schwester zu finden. Er gerät an eine Organschmuggelbande – doch die wollen 10 Mio. Won und eine von seinen Nieren als Gegenleistung. Um das Geld aufzutreiben, entführt er die Tochter seines ehemaligen Chefs. Als der Vater des entführten Mädchens die Sache in seine Hand nimmt, kommt es zur Eskalation... Ein Filmstoff an den sich in Südkorea lange keiner traute. Außer Park Chan-wook. Der Auftakt seiner großen „Rachetrilogie“. Ein Muss für jeden Freund des asiatischen Kinos.)
- Oldboy: (Rachedrama: Oh Dae-Su, ein etwas rüpelhafter Frauenheld, wird eines Tages auf offener Straße entführt. Ohne Begründung wird er 15 Jahre festgehalten. Bis er eines Tages ebenso ohne Begründung freigelassen wird. Mit einem Handy und Geld versehen. In der Zwischenzeit wurde seine Frau umgebracht. Verzweifelt und scheinbar ziellos macht er sich auf die Suche nach seiner Tochter und seinen Entführern – doch die haben ihn jederzeit im Blick... Ein Film wie ein Paukenschlag. Erschreckend, verstörend, brilliant. Sein endgültiger Durchbruch.)
cms - Mittwoch, den 10. Januar 2007
Schliepi - 10. Januar, 15:49
